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Laenderbericht Chile
Lateinamerika, wie und wer wir sind!
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FAMILIE
Sarah
Julia
Daniel
1.Lateinamerika -ein Kontinent der Gegensätze – Was bedeutet dir Lateinamerika? Zunächst ist es der Kontinent in den uns Gott rief und der uns als Familie zu unserer neuen "Wahl-Heimat" geworden ist. Als zweites ein Kontinent in dem Armut und Hightec sich die Hand reichen, als drittes ein Kontinent in dem der Ausländer willkommen ist und die Gastfreundschaft normal ist, und als größtes ein Kontinent in dem in den letzten 150 Jahren die evangelischen Christen einen phänomenalen Wachstum erlebt haben. Im Jahre 1800 hatte die Nördliche Welt (Angelsachsen) praktisch noch immer 100% aller evang. Christen und der Süden praktisch noch fast 0 %. Heute im Jahr 2000 leben 75% aller wiedergeborenen evangelikaler Christen auf der südlichen Halbkugel und nur noch 25% sind weißer Hautfarbe. Lateinamerika hat mit Teil an dieser "segensreichen Verschiebung". 2. Du bist in einer vor wenigen Jahren neugegründeten chilenischen Mission tätig. Wie kam das? Als wir bereits einige Jahre in Chile als Missionare arbeiteten und lebten lernte ich die beiden Gründer der Mission ADELPHOS (gegründet 1992), eine Baptistenmission kennen. Sie waren zwei junge Männer in meinem Alter und wir spürten sofort, daß wir weltmissionarisch "dieselbe Blutgruppe" hatten. Sie hatten zu jener Zeit niemanden der im Bereich Weltmission praktische oder lehrdienstmässige Erfahrung hatte. Dieser Bereich war und ist aber ein riesiges Arbeitsgebiet das brach lag. So luden sie mich und meine Familie ein direkt und vollzeitlich bei ihnen als "helfende Kraft" und als entsandter Missionar der DMG aus Deutschland mitzuarbeiten. Das Arbeitsfeld war nach 6 Jahren erschlossen und vollstaendig durch Chilenen abgedeckt als mich eine uebergemeindliche Gruppe unter SIM Chile berief daselbe auf uebergemeindelicher und landesweiter Eben erneut anzugehen. Unter dieser Leitung sind wir nun seit 4 Jahren dabei ProVisión, eine uebergemeindliche landesweite Missionsorganisation zur Sendung von Chilenen in Zusammenarbeit mit ihren Gemeinden aufzubauene. Mein Aufgabengebiet könnte man als Reisesekretär, Kandidatensekretär und Organisator bezeichnen und sie geben mir den Titel Direktor für Missions- Schulung und Missionstraining in Mission und Gemeinden. 3. Macht dir dieser Dienst Freude Ja, völlig, denn als erstes denke ich daß es meinen Gaben entspricht und ich finde es ein enormes Vorrecht in der jetzigen Situation in der evangelischen Geschichte Chiles an einem Prozeß teilzuhaben und zu helfen wo wir langsam von "Nehmen und Empfangen" zum "Geben und Senden" als Leib Christi kommen. Meine Arbeit fordert auch viel von meiner Familie, da ich sehr viel unterwegs bin und ihre Hilfe und Unterstützung brauche um diesen vielseitigen Dienst zu tun. Ich hatte das Vorrecht, als einer der wenigen Europäer, in diesen Jahren diese neue Missionsbewegung in vielen Ländern Südamerikas vor Ort zu sehen und daran Teilzuhaben. 4. Mission von Lateinamerika aus, das klingt ungewöhnlich...? Ich denke vor 250 Jahren zur Zeit Zinzendorfs und etwas später in England zu William Careys oder Taylors Zeiten klang auch "Mission von Europa aus" eigenartig und ungewöhnlich. Alles ist nur eine Frage der Zeit. Lateinamerika hat 1987 in einem großen Missionskongreß von 4000 Teilnehmern in Brasilien vor dem Herrn versprochen "Wir wollen nicht mehr nur Missionskontinent und Missionsländer sein sondern uns auch als Missionskraft verstehen und darum ringen Missionare in alle Welt zu senden. Im Grunde mußte es kommen denn empfangener Segen muß weiter fließen, sonst erstirbt alles vorhandene geistliche Leben zu Formen und Organisationen. Ist das nicht genau unsere Not in Europa, dem alten christlichen Abendland? 5. Wie entstand dieser Aufbruch? Ausgelöst durch Gottes guten Heiligen Geist und durch die Verbreitung seines guten Wortes. Auch durch starken Gemeindewachstum in den letzten 50 Jahren, und als weiteres haben Missionswerke wie OM u.a. uns mit ihren Schiffen die Südamerika ansteuerten in den 70 Ern und 80 ern erstmals mit einer weltweiten Missionssicht konfrontiert. Gott hat in diesen Jahren, unabhängig voneinander, viele junge Lateinamerikaner "aufgeweckt" und ein nationales und weltweites Missionserwachen geweckt. Es entstanden in den letzten Jahren hunderte von Missionswerken die die Welt ins Auge fassen. Grosse Missionskonferenzen wie COMIBAM 87 und 97 und 06 haben dann Struktur und Bewegung in diese neue Bewegung gebracht. 6. Wir Europäer haben so unsere Vorurteile gegenüber Südamerikanern, sie seien leicht begeisterbar, aber nicht verläßlich, emotional, aber kaum fähig Strukturen zu schaffen, die wirklich funktionieren... Was ist aus deiner Erfahrung heraus dran an solchen Vorurteilen? Von westlicher Sicht aus gesehen ist vieles wahr was im Raume steht, aber als erstes frage ich mich ob der Herr die Welt durch uns Europäer nur gesegnet hat, oder ob unsere Schwächen nicht auch notvolle Bremsklötze für Gott sein könnten oder sind, man denke nur an die Bibelkritik, Befreiungstheologie, Evolutionstheorie usw. Begeisterung und mutige Glaubensschritte sind keine Gegensätze und Beweglichkeit und Flexibilität ersetzen auch bei uns in Lateinamerika nicht völlig die nötigen Strukturen und Pläne. Wir Europäer und die Lateinamerikaner sind nicht gleich und haben nun mal andere Kulturen als Hintergrund. Ich meine wir sollten aber diese sichtbaren Unterschiede als "Andersartigkeit" verstehen nicht als "besser oder schlechter" abtun, sondern uns ergänzen als Leib Christi und somit dem Herrn Ehre machen. Ich habe aber nicht gesagt, daß das einfach ist. Trennen ist immer einfacher als Verbinden. Verurteilen fällt uns meist leichter als Verstehen und eigene Positionen überprüfen. 7. Was sind aus deiner Sicht die besonderen Schwächen und vor allem auch die besonderen Stärken lateinamerikanischer Missionare? Der Lateinamerikaner ist mehr "personenorientiert" als "zielorientiert". Dies macht ihn oft spontan und flexibel aber auch teilweise unbeständig und recht personenabhängig. Mit dieser "sentimentalen" Persönlichkeitsstruktur paaren sich noch andere Handicaps. Eine Schwäche ist die noch fehlende, oder wenn vorhanden, eben schwache überkulturelle Vorbereitung für die Missionare und somit erleben sie enorme Kulturschocks im andersartigen Umfeld. Auch die meist starke familiäre Bindung an die Großfamilie und Gemeinde zu Hause macht dem Lateinamerikaner auf dem Feld, wenn dies dann plötzlich alles fehlt, oft Not und macht ihn seelisch mürbe. Als weiteres erleben sie die Unbeständigkeit der Unterstützer die ihn finanziell sehr oft "leiden lassen". Seine eigenen Schwächen werden dann plötzlich "spürbar" und bewußt. Ihre Stärken sind ihre praktizierte einfache Lebensweise und Anpassungsfähigkeit in einfacher Kultur, ihre praktischen Glaubensschritte ohne Sicherheiten, ihre persönliche Sensibilität für den anderen Menschen. Die Bereitschaft der völligen Hingabe und des "Nicht Sorgens für Morgen". Auch ihre körperliche Erscheinung macht sie für viele Teile der Welt geeigneter als den "weißen Gringo". Zahlenmäßig ist der Lateinamerikaner auch ein "billigerer Missionar". Diese Frage müßte man in einem kompletten Buch beantworten und nicht mit 80 Worten. 8. Wozu benötigen wir in einer solchen Phase noch europäische Missionare in Lateinamerika? Laß mich mit einer einfachen Gegenfrage antworten: Wozu benötigt ein eher verstandesgemäßer Mann eine eher sentimentale Frau? Eben zur Ergänzung und zur Erfüllung ihrer Bestimmung. Wir Europäer werden sicher nicht mehr in allen Bereichen in Lateinamerika gebraucht, aber im Lehrdienst und in den helfenden und aufbauenden Arbeitsbereichen des Leibes Christi sind wir ein enorm wichtiges Element. Außerdem sollten wir nie vergessen daß der weltweite Missionsauftrag Auftrag Christi an uns alle nie von strategischen Überlegungen verkleinert werden darf, denn sonst bräuchten wir hier auch keine ausländischen Missionare mehr in Europa und doch sind sie so nötig wie nie. 7. Es kommt jetzt also in besonderer Weise darauf an , Gemeinden in Lateinamerika für Mission zu mobilisieren. Wie geschieht das? Durch Gebet, Gebet, Gebet, ........ Information, Lehre und gute persönliche Beziehungen zu den Pastoren und Leitern. Auch Massenmedien wie Radio, Literatur, Internet u.s.w. sind vorzügliche Mittel und Wege. Als entscheidenden Faktor sehe ich die Bibelschulen und Seminare die die zukünftigen Pfarrer und Mitarbeiter prägen. Dort gilt es den "Langzeithebel" anzusetzen. 8. Ihr arbeitet auch im atheistischen Staat Cuba, und du selbst warst immer wieder dort. Kannst du mir ein wenig zur geistlichen Situation dort sagen. Unsere Geschwister dort arbeiten unter "sehr erschwerten" Bedingungen materieller Art und auch bedingt durch die mangelnde Freiheit. Sie haben aber seit 15 Jahren in allen Denominationen einen so enormen Gemeindewachstum wie im Moment kein anderes Land in Lateinamerika. 9. Hast du etwas besonderes mit Gott erlebt auf diesen Reisen? Ja, vieles!!! Eine Kubareise ist für mich immer eine geistliche Auferbauung!!! Eine Gemeinde die ich mehrmals besuchte hatte z.B. 1990 30 Mitglieder. Heute hat sie 1000. Der Gemeindeverband hat außer den organisierten Gemeinden hunderte von Hauskirchen und tausende von Gebetszellen. Ich habe selber erlebt wie jeden Abend Menschen in großen Zahlen den Herrn annahmen, und ich bin sicher nicht ein geborener Evangelist, sondern viel mehr ein Lehrer. Gott handelt, und sein Geist hat inmitten von Armut und Not seine Gemeinde gesammelt. 10. Was denkst du, wie wird es mit dem lateinamerikanischen Kontinent weitergehen? Schwierige Frage! Ich beantworte sie als typischer Deutscher. Könnte mir vorstellen daß der Chilene oder "Latino" andere Schwerpunkte, Chancen und Nöte sieht und setzen würde als ich, von daher ist es nicht so wichtig was ich darüber denke. Die Frage sollte besser ein Latino beantworten und nicht der "Gast". Nun ich sehe enorme Herausforderungen und unbeschreibliche Möglichkeiten. 11. Wo liegen "laut dem Deutschen" die größten Probleme für Lateinamerika? Wo die besonderen Chancen? Ich sehe daß die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinanderklafft. Dies wird uns immense soziale Probleme aufgeben. Als Christen müssen wir im Sozial, Schul und Bildungswesen "den Fuß in die Tür bekommen" und die Ärmel hochkrempeln denn das echte Christsein lebt sich nicht in der Theorie aus sondern im alltäglichen Lebensvollzug. Wir haben mehr als nur geistliche Aufgaben, denn der Mensch muß in seiner Ganzheit in Geist Seele und Leib ernst genommen werden. Im geistlichen Bereich müssen wir erstens dafür beten und arbeiten daß der Wachstum nicht in unbedeutende Oberflächlichkeit sondern vor allem in die Tiefe geht, dabei denke ich vor allem an die praktische Theologie. Arbeiten mit dem was vorhanden ist ist eine gigantische Herausforderung. Wenn ich als Beispiel nur an die fast 25 % evangelikalen Christen in Chile denke. Das erledigt sich nicht in 5 Jahren und auch nicht in 10. Als zweites gilt es den empfangenen Segen weiterfließen zu lassen an solche die nichts haben, auch geistlich gesehen, Dies sind wohl die Herausforderungen, die Chancen und Ziele die wir als Kontinent haben. 12. Was rätst du uns Europäern damit wir unseren Teil dazu beitragen können für euch echte Brüder zu sein. Hilfe zur Selbsthilfe und multiplizierende Dienste sind gefragt. Die typische Gemeindegründung wird bereits in großem Masse von ihnen selber wahrgenommen. Auf der nördlichen Halbkugel haben wir nur noch 25% der lebenden evangelikalen Christen aber 80 % des Kapitals der Welt. Im Süden 75% evang. Christen aber nur 20% aller Mittel. Ich meine es muß ein wirkliches miteinander entstehen wenn wir vor Gott gute Haushalter mit Personal und Mitteln sein wollen. Wir brauchen einander um die letzte große Ernte einzuholen. Wir haben z.B. als chil. Mission ersta nch nach fast 10 Jahren ein eigenes Büro, aber noch keinen Wohnraum für Missionare im Heimaturlaub etc. Wenn ein Kandidat kommt muß jemand in seinem Privathaus das Schlafzimmer eines de Kinder räumen um Platz zu schaffen. Wir konnten und wollten nicht in die Infrastruktur der Mission investieren,ganz einfach deshalb weil die Zahl der Missionare schneller wächst und alle Mittel aufsaugt und wir nicht die Freiheit haben die wenigen Mittel die wir haben einzusetzen um uns bessere Strukturen zu schaffen. Hier wären wir für jegliche Hilfe "vom Norden" für einige Zeit von Herzen dankbar. Die Frage ist ob wir einander wirklich vertrauen und ob wir willig sind uns als einen einzigen Leib zu verstehen? Möge der Herr uns Einheit Liebe und Geduld schenken. Hans und Carmen Ziefle